Ich weiß, ich weiß... ich werd in manchen Dingen aus Gewohnheit einfach nicht klug. Es gibt für mich nämlich wieder Grund zu meckern über den neusten openSUSE-Ableger in der Version 11.3.
Als notorischer "early adopter" hab ich mir natürlich auch die aktuellste Version über die vorige Installation mittels "Upgrade" drüberinstalliert, was auch erstaunlich gut funktioniert hat. Alles schien soweit zu klappen. Sogar das Suspend-To-RAM macht mittlerweile auch keine Zicken mehr und funktioniert erfreulicherweise stabil auf meinem Acer-Aspire-Laptop.
Aber drei Dinge sollten schon wenige Wochen nach der Installation fürchterlich nervig in die Hose gehen:
- Der Canon-Drucker verschmierte bei größeren Druckaufträgen jede Seite, abgesehen von der ersten, mit schwarzen Linien
- Das unter KDE4 an sich überflüssige aber zwangsinstallierte Soundsystem Pulseaudio verweigert sporadisch den Dienst
- Und mal wieder hat ein Sicherheits-Kernelpatch dafür gesorgt, daß die Kiste den X-Server nicht starten konnte
Wie ich diese Wehwehchen aus der Welt schaffen konnte, beschreib ich kurz im Folgenden.
Geisterhafte Linien beim Drucken
Ziemlich genervt mußte ich feststellen, daß die zweite Seite und jede darauffolgende von größeren Druckaufträgen mit schwarzen, horizontalen Linien übersät waren. Nach genauerer Betrachtung des wirren Druckbilds, stellte ich fest, daß jede Druckzeile kontinuierlich bis zum Ende des Blatts dupliziert wurde. Bei dichtem Text ergab sich dadurch eine fast vollständig schwarze Seite.
Glücklicherweise konnte ich im Netz Leidensgenossen finden, die auch sogleich mit einer Problemlösung dienen konnten.
Ursache ist die aktuellste Version von Ghostscript, die diesen Murks veranstaltet. Wie so oft wächst in der fabelhaften Open-Source-Welt nicht nur der Umfang an Funktionen oder die Stabilität der Software, nein richtig haarsträubende Macken schleichen sich auch von Version zu Version ein. Mir ist allerdings unbegreiflich, daß das niemandem bei Novell oder keinem Ghostscript-Entwickler bisher aufgefallen ist. Naja.
Beheben lässt sich das durch ein Downgrade der Ghostscript-Pakete auf die funktionstüchtige Version 8.70-14.1 (siehe Reiter "Versionen" beim Paketemanager von YaST2).
Pulseaudio. Ich hasse es.
Es gibt an sich nichts, was ich daran mag. Es führt eine weitere Abstraktionschicht in das Linux-Sound-System ein. Allerdings benutze ich KDE4 und da existiert bereits Phonon, was den gleichen Job erledigt. Pulse bringt meine Kiste sporadisch in die Knie und hat extreme Latenzzeiten. Von "Echtzeit" kann da längst keine Rede mehr sein. Wenn ich die Lautstärke verändere, dauert es bis zu drei Sekunden, bis das auch tatsächlich hörbar wird. Ein Lied bei Amarok stoppen dauert genauso lange. Wenn ich mir über mehrere Minuten Lieder anhöre passiert aber der größte Mist: die Kiste bleibt bis zu 20 Sekunden lang komplett hängen und nichts mehr läuft abgesehen von der Musik. Ich kann allenfalls noch die Maus bewegen, aber alle Anwendungen sind in dem Zustand nicht mehr ansprechbar.
Ich hatte daher die Nase voll von Pulseaudio und schmiß es von meinem System herunter, indem ich zunächst setup-pulseaudio --disable ausführte und daraufhin alle relevanten Pulse-Pakete entfernte.
Das war leider ein großer Fehler, wie ich nach stundenlangem Tüfteln und Fluchen feststellen sollte. Ton und Musik hatte ich zwar danach zur Verfügung, aber immer nur innerhalb von einer einzigen Anwendung. Alle anderen Geräuschmacher schauten da erstmal in die Röhre. Doof das. Ich steckte zwei Tage in vergebliche Versuche hinein, das Sound-System sauber zum Laufen zu bringen. So wie es in all den openSUSE-Versionen zuvor auch problemlos möglich war. Pustekuchen. Es wollte einfach nicht mehr klappen.
Und da mir außerdem noch vage dämmerte, daß Skype an sich auch ohne pulseaudio nicht sauber funktioniert (ohne klingt die eigene Stimme für die anderen wie die eines tiefsprechenden Roboters. Eigentlich ganz cool, aber schwer verständlich), entschied ich mich zähneknirschend dazu, Pulse doch wieder draufzumachen.
Kein Problem, würde man ja annehmen... einfach nur die vorigen Schritte umkehren. Pakete drauf und setup-pulseaudio --enable fix ausführen. Tja. Danach mußte ich mich mit einem neuen Problem herumschlagen. Pulseaudio streikt beim Neustart. Kein Ton, nichts, alles stumm.
Auch das läßt sich beheben, indem man Folgendes ausführt:
CODE:
pulseaudio -k
pulseaudio -D
was effektiv den Pulse-Server beendet und daraufhin neustartet. Erst dann klappt alles wie gewohnt, aber natürlich ebenso mit den gewohnten, krassen, überdimensionalen Latenzzeiten bei der Audioausgabe und den sporadischen Systemhängern, wenn ich mir Musik anhöre.
Ich schrieb mir jedenfalls notgedrungen ein kleines Autostart-Skript, welches diesen Pulse-Neustart forciert. Man lege folgende Datei unter ~/.kde4/Autostart an:
CODE:
#!/bin/sh
sleep 20
pulseaudio -k
pulseaudio -D
Die Verzögerung von 20 Sekunden habe ich experimentell ermittelt. Wenn man den Neustart von Pulse früher ausführt, dann klappts aus irgendeinem Grund nicht. Auch sehr doof. Doof, doof, doof.
Automatisches Sicherheits-Kaputtgrade
Leider ist es in den vergangenen Jahren bei openSUSE kein Einzelfall gewesen, daß ein automatisches Update ein System hinterläßt, in das man sich gar nicht mehr einloggen kann. Ich frage mich, wie viele "Normalanwender" dadurch ständig verlorengehen, die nicht über die nötige technische Versiertheit verfügen, mit diesem Problem umgehen zu können.
Da der X-Server nicht mehr starten mochte und ich ein Füllhorn an bizarren Grafikdarstellungsfehlern zu Gesicht bekam, startete ich die Kiste einfach neu und tippte bei Grub noch die Ziffer 3 ein, die ich mit der Eingabetaste bestätigte, um openSUSE bei Runlevel 3 stoppen zu lassen. Da befindet es sich noch brav im Textmodus und man kann ungestört allerlei Admintätigkeiten durchziehen.
So sorgte ich dann in der Kommandozeile mit der Textmodusversion von YaST dafür, daß das radeon-Paket nochmal neu installiert wurde. Das war zwar wohlmeinend ins Blaue geschossen, aber oh Wunder, es behob doch tatsächlich mein Problem. Nach dem Neustart klappte wieder alles.
Fazit
Jedes Mal, wenn mir so ein Mist passiert, spiel ich mit dem Gedanken, einer anderen Distribution ne Chance zu geben. Naja... Ubuntu mag ich nicht. Ich gabs schon mehrfach ne Chance. Aber irgendwie fühl ich mich darunter nicht so wohl. Obwohl ich den Paketmanager hervorragend find, wegen dem netten Bewertungssystem.
Debian ist mir zu trocken und von Haus aus einfach zu häßlich. Aber es funktioniert wenigstens. Ich bin halt ein Gewohnheitstier. openSUSE entspricht meinem optischen Geschmack und mit YaST hat man reichlich Administrationstools, die einem das Rumgefuddel mit etlichen Konfigurationsdateien ersparen.
Also bleibt erstmal alles beim Alten.
Bis zum nächsten openSUSE-Fluch-Artikel.